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Werden und Vergehen

29. April – 01. Mai 2022

Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
die aus laugewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und ich höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.

Große Bewegungen begleiten und ereilen uns ein Leben lang: das Werden und das Vergehen. Mal erscheinen sie in der Gestalt eines heiteren Frühlingserwachens, mal als eisiger Wintereinbruch, mal als freundliche Einladung, mal als bitterer Schicksalsschlag.

Aber auch in kontinuierlichen, stabilen Zeiten finden die uns ständig verändernden Bewegungen von „Werden und Vergehen“ statt – Atemzug für Atemzug, Herzschlag für Herzschlag atmen und pochen wir unserem Werden und unserem Vergehen gleichzeitig entgegen.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Mit der heilenden und tragenden Kraft von Menschen, die in einem Kreis zusammenkommen, werden wir uns für diese großen Ur-Bewegungen, die Alles und jedes Lebewesen grundsätzlich tragend organisieren, interessieren. In einer Forschungshaltung werden wir uns für die Bewegung öffnen, die uns stetig in etwas Neues, Größeres, Tieferes hineinentwickeln möchte, und auch für die Bewegung, die uns stetig in die Entspannung, Liebe und Trauer sowie zeitlose Leere von Abschied und Sterben hineinführen möchte.

Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß:
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, -
wir würden weit und namenlos.

Das Werden versucht uns zu bewegen, dass wir zu dem hinwachsen, der wir eigentlich sind. Das Vergehen versucht uns die Kostbarkeit des Momentes, die Liebe und die Größe des Erlebten fühlen zu lassen. Beide Bewegungen kommen aus einem Nichts und einer Leere beide Bewegungen führen in ein Nichts und in eine Leere.

Wir versuchen häufig mit aller Macht gegen diese Bewegungen anzugehen. So bemühen wir uns zum Beispiel unser Jungsein möglichst lange zu erhalten und dem Vergehen des Körpers entgegenzuwirken. Oder wir versuchen Werten, die wir Menschen gesellschaftlich künstlich erschaffen haben, entgegenzustreben und verlangen uns Übermenschliches ab – zum Beispiel Leistung, Erfolg, Härte und Stärke.

Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
will nicht von uns gebogen sein.
Das ist der Engel, der den Ringern
des Alten Testaments erschien:
wenn seiner Widersacher Sehnen
im Kampfe sich metallen dehnen,
fühlt er sie unter seinen Fingern
wie Saiten tiefer Melodien.

Manchmal denken, wir „Ja, das habe ich wirklich erreicht! Wie ist das toll!“ Doch dann verlieren wir auf der anderen Seite dadurch z. B. unsere Partnerschaft, unsere Gesundheit, unser Herz. Ein Scheitern in einem anderen Lebensfeld oder sogar auch in dem siegreichen Lebensfeld mahnt uns aufzuwachen: „Das ist ein kleiner Sieg, den du da hast. Ich, das Leben, habe aber Großes vor mit dir!“

Das Leben führt uns Aufgaben, Wände, Schicksalsschläge vor Augen, die unser Scheitern in unseren kleinen Siegen offenbart. Es wird darin deutlich, wie weit wir uns entfernt haben vom Wesentlichen und wie sehr wir im Unwesentlichen nach etwas suchen, was an dieser Stelle aber nicht zu haben ist. Im 3. Oldtimer, in der Segeljacht, in der jungen Liebe, in der Karriere, im Geld werden wir das Wesentliche nicht finden.

Auch in dem Erhalt der Jugend, der Schönheit, der Sportlichkeit, der Kraft, der Potenz werden wir scheitern. Das einstige Gut, der einstige Stolz weicht im vergehenden Leben und öffnet einen Raum für Wesentliches.

Das Scheitern bei dieser Suche nach dem Glück im Haben von Dingen, also die immer noch bestehende Frustration, Unsicherheit und Unzufriedenheit, führt zu einer großen, wesentlichen Chance für uns – und unser Leben mag sich öffnen.

Wen dieser Engel überwand,
welcher so oft auf Kampf verzichtet,
der geht gerecht und aufgerichtet
und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte.
Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
von immer Größerem zu sein.

Rainer Maria Rilke, Der Schauende

Wir werden in diesem Seminar mit geleiteten Spür-, Meditations- und Bewegungsforschungen uns für das Erleben dieser anspruchsvollen Elemente öffnen. Wir werden in achtsamen Forschungen dem eigenen Prozess zwischen Werden und Vergehen, zwischen siegreichen Irrtümern und wesenhaftem Scheitern, zwischen Angst und Liebe, Zerstörung und Wachstum, Neu-Werden und Altern, Trauer und Sehnsucht einen Raum zur Entwicklung geben. In Vorträgen, die uns die Themen auf lebendig spürbare Weise nahebringen, werden die unterschiedlichen Facetten vertieft.

 

Zeit: 

29. April – 01. Mai 2022
Freitag: 18.00 – ca. 21.30 Uhr
Samstag: 9.30 – ca. 20.00 Uhr mit Pausen
Sonntag: 9.00 – ca. 16.30 Uhr

Ort: 

Seminarhaus Wessobrunn,
Gmein 3, 82405 Wessobrunn/Forst

Leitung: 

Karin Pixner

Kosten: 

350,-€ pro Person

Übernachtung: 

6 km entfernt vom Seminarhaus gibt es den Gasthof Eibenwald mit vielen Zimmern. In der Region gibt es noch weitere Unterkunftsmöglichkeiten.

Anmeldebedingung

Bitte melden Sie sich schriftlich an. Die Anmeldung gilt als verbindlich und vollzogen, wenn nach Erhalt der Rechnung 50% der Seminargebühr auf folgendes Konto überwiesen wurde:

Karin Pixner, DE 66430609678205544201, GENODEM1 GLS

Bei einer Abmeldung 2 Wochen vor Seminarbeginn fallen 50% des Seminarpreises an.
Bei einer Abmeldung innerhalb von 7 Tagen vor Seminarbeginn ist der volle Seminarpreis zu bezahlen, sofern niemand von der Warteliste nachrücken kann.
Bei einer Abmeldung vor den oben genannten Zeiträumen wird eine Bearbeitungsgebühr von 40€ berechnet.

Bei Fragen oder Interesse können Sie mich auch gerne über Email anschreiben! praxis-pixner@pixner.de

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